Das Ende der Märchenstunden
DHB-Pokal: Endstation dritte Runde – der EHV Aue ist für Ludwigsfelde eine Nummer zu groß
Der LHC verabschiedet sich mit einer 25:42-Niederlage aus dem DHB-Pokal. Doch schlechte Laune hat man beim Ludwigsfelder Club trotz des Ausscheidens nicht.
Am Ende waren sowohl die Zuschauer als auch beide Mannschaften mit dem Spiel zufrieden. Zwar hätte der Ludwigsfelder HC als erstes Oberliga-Team in das Achtelfinale des DHB-Pokals einziehen können, doch dass dieses Unterfangen gegen das Drittliga-Spitzenteam aus Aue ein schweres sein würde, war vor der Drittrunden-Partie klar. Dazu kam ein Handicap an der Seitenlinie: LHC-Trainer Gerhard Wartenberg musste die letzte Partie seiner Sperre absitzen (MAZ berichtete) und ein letztes Mal auf der Tribüne statt auf der Trainerbank Platz nehmen.
Angesichts dieser Ausgangslage ließ man beim LHC nach der 25:42 (13:23)-Niederlage in der gut gefüllten Ludwigsfelder Stadtsporthalle nicht den Kopf hängen.
Auch Coach Wartenberg schien nicht unzufrieden mit dem Auftritt seines Ensembles, das als eindeutiger Außenseiter in die Partie gegangen war: „Das Ergebnis ist im Rahmen geblieben. Aue war mindestens eine Klasse besser und auf unserer Seite gab es viele Ausfälle. Insgesamt haben wir uns gut verkauft, sodass die Mannschaft zufrieden sein kann. Die Hauptsache war heute, dass die Zuschauer ihren Spaß hatten“, befand der Trainer des Viertligisten.
Die Fans des LHC sahen in der Arena über dem Kaufland ein gutes, wenn auch ungleiches Duell, in dem nach zehn Minuten die Rollen verteilt waren. Während die Ludwigsfelder anfangs noch öfter nach Toren gleichziehen konnten, hatte der für einen Drittligisten exzellent besetzte Erzgebirgische Handballverein (EHV) Aue zur Halbzeitpause einen Zehn-Punkte-Vorsprung erkämpft.
Aue-Trainer Maik Nowak, der momentan mit seinem Team auf Platz zwei der dritten Liga Ost steht, war nicht voll zufrieden: „Wir haben uns vorgenommen, hier professionell aufzutreten, was uns auch überwiegend gelungen ist. Trotzdem haben wir einige Tore liegengelassen, was nicht hätte sein müssen.“ Der Favorit sei mit dem nötigen Respekt angetreten, so der Coach.
Gefeiert wurde beim LHC-Anhang trotzdem nach den Toren des heimischen Außenseiters. So wurde teilweise für die Galerie geworfen, wodurch einige sehenswerte Tore erzielt wurden, die von den Zuschauern frenetisch bejubelt wurden. „Das Ziel war es, die Euphorie gegen so ein Spitzenteam vor heimischer Kulisse mitzunehmen. Wir hatten eine volle Halle mit einem grandiosen Publikum und es ist uns sogar gelungen, viele Tore zu erzielen, wahrscheinlich mehr, als die Auer vermutet haben. Die Anzahl der Gegentore geht aufgrund der dünnen Personaldecke in Ordnung. Es war heute eine tolle Erfahrung, gegen so ein Team zu spielen, gerade für mich als neuer Spieler“, erläuterte der zufriedene Sven Keck nach dem Match gegen den Zweitliga-Absteiger, der wegen der Ligen-Reform des DHB in die dritte Liga abrutschte.
Für den LHC endete mit der Niederlage das Kapitel der sechzigminütigen Märchenstunden im deutschen Handball-Pokal. Zuvor hatte Ludwigsfelde mit dem FC St. Pauli aus Hamburg (vierte Liga) und den VfL Fredenbeck (dritte Liga) zwei Nordclubs aus dem K.o.-Wettbewerb geworfen und zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die dritte Runde des deutschen Pokals erreicht. Für diesen Wettbewerb hatte sich der LHC als Pokalsieger des Landes Brandenburg qualifiziert.
Nach dem Ende des Abenteuers DHB-Pokal kann sich die Equipe aus Ludwigsfelde nun auf den Alltag in der Oberliga Ostsee-Spree konzentrieren. Dort geht es kommenden Sonntag um 16 Uhr mit der Begegnung beim HC Neuruppin weiter. Dann wird auch Wartenberg wieder auf der Ludwigsfelder Trainerbank sitzen.
Niklas Poppe
Quelle: Märkische Allgemeine, Zossener Rundschau, 28.10.2011

