Der feine Unterschied

DHB-Pokal: Kiel oder Hamburg – der Ludwigsfelder HC kann von einem großen Gegner träumen

Der Ludwigsfelder HC zieht durch einen knappen 29:28 (16:14)-Sieg gegen den FC St. Pauli zum zweiten Mal in die zweite Runde des DHB-Pokals ein.
Es war sehr still in der Kabine des FC St. Pauli, die geräuscharme Melancholie des Verlierers sagte mehr als ausschweifende Worte. Während auf der einen Seite der Traum vom Einzug in die zweite Runde des deutschen Handball-Pokals jäh geplatzt war, gönnte man sich bei der sportlichen Gegenpartei, beim Ludwigsfelder HC, ein bisschen Träumerei. „Irgendein Erstligist wäre als Gegner in der nächsten Runde schön, vielleicht der THW Kiel“, sagt Ludwigsfeldes Keeper Sebastian Hoba, der wie sein ebenfalls phasenweise überragender Teamkollege Frank Schücke den feinen Unterschied ausgemacht hatte in dem engen Duell mit dem FC St. Pauli.

Das sah man auch beim zähen Rivalen aus dem Hamburger Stadtteil St. Pauli so. „Es war ein sehr umkämpftes Spiel mit wenig Spielfluss und vielen Unsicherheiten auf beiden Seiten“, resümierte Marius Clausen, einer der beiden Spielertrainer des Kiezclubs aus dem Norden, „Ludwigsfelde hatte einen guten Torwart und Frank Schücke, die haben den Unterschied gemacht.“ Unter dem Strich sei Ludwigsfelde auch ein Tor besser gewesen, räumte Clausen ein, als er gestern nach dem Abpfiff auf dem Parkett der Stadtsporthalle ein Statement abgab.

Schücke hatte elf Treffer erzielt und in der eminent wichtigen Phase Mitte der zweiten Halbzeit mehrfach den Ball erobert und Tempogegenstöße mit Toren abgeschlossen. Am Ende zog der LHC nach dem 29:28 (16:14)-Sieg gegen die Handball-Abteilung des FC St. Pauli zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte in die zweite Runde des deutschen Handball-Pokals ein (Spieltermin ist der 21. September). Morgen wird die Auslosung live im Internet übertragen (19.10 Uhr/www.sport1.de) – ein Pflichttermin für den LHC-Tross. „Kiel oder Hamburg wären als Gegner schön, wenn die kommen würden, wäre das ein Knaller“, sagte LHC-Manager Jörg Taeger und merkte grinsend an, „wir haben das Spiel extra wegen der Zuschauer so spannend gemacht“.

Der Hintergrund: In den Schlussminuten entwickelte sich zwischen den beiden Viertligisten eine Partie, die wie von einem unsichtbaren Drehbuch gesteuert, in den letzten Momenten kulminierte. Plötzlich rückte das Zeitguthaben in den Focus: noch 25 Sekunden Spielzeit, Ballbesitz für den FC St. Pauli, ein letzter Angriff des Rivalen aus Hamburg wälzte sich vor den 400 Fans Richtung LHC-Tor. Der Ball landete nicht im Netz. Ballgewinn für Ludwigsfelde, wenig später war die Partie aus, Jubel toste durch die Arena. „Spannender konnte es eigentlich nicht sein“, sagte auch St. Paulis Spielertrainer Clausen.

LHC-Coach Gerhard Wartenberg, der mit seinem Team am Sonnabend aus einem Trainingslager an der Ostsee zurückkehrte, urteilte: „Mit der spielerischen Leistung kann ich nicht zufrieden sein, aber am Ende zählt der Sieg, der war unser Ziel. Wir haben es in der zweiten Halbzeit versäumt, den Sack zuzumachen.“

In einer Partie, in der St. Pauli bis auf wenige Momente im Rückstand lag, hatte sich der LHC in der 50. Minute mit drei Toren abgesetzt – wurde aber beim 29:28 wenige Sekunden vor dem Abpfiff fast wieder eingeholt. „Wir hätten vielleicht die Angriffe ruhiger ausspielen können“, sagte LHC-Keeper Hoba, „aber am Ende zählt der Sieg.“

An einem Tag, an dem viel Gutes von oben gekommen war – der FC St. Pauli als geschlagener Rivale ist schließlich aus dem hohen deutschen Norden, kein Badesee-Wetter als Besuchermagnet – wünschte man sich beim Ludwigsfelder Ostsee-Spree-Ligisten noch mehr Gutes aus höheren Sphären: Einen Gegner aus den oberen Handball-Regionen. „Ein höherklassiges Zugpferd wäre als nächster Kontrahent schön“, wünschte sich Wartenberg. Ein bisschen träumen ist erlaubt beim LHC.

Lars Sittig

Quelle: Märkische Allgemeine, Zossener Rundschau, 29.08.2011

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