Mehr Festung vor dem Fest
Der Ludwigsfelder HC gewinnt die letzte Oberliga-Partie des Jahres in eigener Halle
Der Ludwigsfelder HC besiegt den BFC Preussen Berlin und macht die Stadtsporthalle vor dem Weihnachtsfest wieder mehr zur Festung.
Als die Stadtsporthalle langsam wieder im Ruhepuls tickte, gab ein Häuflein Fans noch eine Regierungserklärung ab. „Hier regiert der LHC“, schallte es von den Rängen, kurz nachdem sich der Club in der Oberliga Ostsee-Spree im letzten Spiel der Hinrunde mit zwei Punkten selbst und das Ludwigsfelder Publikum beschenkte. Pünktlich vor dem Weihnachtsfest ist die Arena mit dem zweiten Heimsieg in Folge wieder mehr zur Festung geworden, an dessen Bollwerk auch der BFC Preußen abprallte:
Zuvor hatte der Club in drei Partien in der Stadtsporthölle nur einen Zähler geholt. Mit dem 29:26 (15:14)-Heimerfolg in der letzten Liga-Partie des Jahres 2011 feierte der Ludwigsfelder HC außerdem den vierten Sieg im fünften Spiel unter den Interims-Spielertrainern René Rose und Frank Schücke. „Ich denke, wir können mit der Hinrunde ganz zufrieden sein“, bilanzierte Steffen Knaack, der wuchtige Kreisspieler des LHC, „wir haben die Zeit nach dem Abschied des Trainers gut überbrückt.“ Einen Nachfolger gibt es nach der Trennung vom Chefcoach allerdings noch nicht zu vermelden.
Gegen den BFC Preußen entwickelte sich zunächst eine ausgeglichene Partie – das aber änderte sich nach der Pause. Hatte sich vor der Partie noch der Weihnachtsmann statt durch den Kamin durch die Sitzreihen der Stadtsporthalle gezwängt, um Süßigkeiten zu verteilen, verteilte der LHC in Hälfte zwei an den Gegner keine Geschenke. Der Club agierte zielstrebiger, konnte sich absetzen und führte in der Mitte des zweiten Durchgangs mit 25:20. „Wir haben in der ersten Hälfte zwar im Angriff ganz gut gespielt, waren aber in der Abwehr etwas nachlässig“, urteilte Knaack, „in der zweiten Hälfte konnten wir uns dann aber einen Vorsprung erarbeiten, hatten allerdings einmal einen kleinen Hänger.“
Noch einmal verkürzte der BFC auf 23:25 – kurz danach aber rückte der Kampf um Tore und Punkte schlagartig in den Hintergrund. Nach einer langen Verletzungspause musste Preussen-Akteur Maurice Zerbe mit einer Trage vom Spielfeld und später mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus transportiert werden. Gestern kehrte er nach einer Nacht im Krankenhaus wieder nach Hause zurück. „Er hat sich die Schulter ausgekugelt“, sagt Peter Frank vom Trainerteam des BFC, „aber er muss noch zur Kernspintomographie und es ist noch Schlimmeres zu befürchten.“ In den letzten Minuten der Partie sicherte sich der LHC problemlos den Sieg. „Es war ein Spiel auf Augenhöhe, wir haben leider aus unseren Möglichkeiten nicht so viel machen können“, resümierte Frank, der am Sonnabend an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrte. Der Übungsleiter, der den LHC in der Spielzeit 2009/10 trainierte und dann zum Oranienburger HC wechselte, war von der Frage, ob er noch einmal nach Ludwigsfelde zurückkehren würde, „total überrascht.“ Darüber habe er sich noch überhaupt keine Gedanken gemacht. Beim BFC ist Frank zwar Teil des Trainergespanns, an der Seitenlinie aber steht sein Kollege Christoph Pöhl, weite Auswärtsfahrten umgeht der Routinier.
BFC-Keeper Hendryk Büttner befürchtet, dass seinem verletzten Teamkollegen eine längere Pause droht: „Er ist schon in der letzten Saison wegen seiner Schulter sehr lang ausgefallen. Ich denke, die Saison ist jetzt für ihn gelaufen. Wir waren natürlich erst geschockt, weil wir sofort wussten, was das für ihn bedeutet, haben uns aber versucht dadurch zu motivieren und das Spiel für ihn zu gewinnen“, sagte der Ex-Rangsdorfer, der nun in der zweiten Saison zwischen den Pfosten des Preussen-Tores steht.
Nach dem Abstieg aus der dritten Handball-Liga muss sich der Verein aus dem Berliner Stadtteil Zehlendorf nun in der OOS neu orientieren. „Nach dem Abstieg gab es einen Umbruch. Viele Regionalligaspieler haben den Verein verlassen, dafür sind viele altbekannte Gesichter zum BFC zurückgekehrt. Da wir uns neu einstellen mussten auf diese enge Liga, stehen wir grad nicht optimal da“, schildert Büttner die Situation nach dem Abstieg. Der eigenen Mannschaft attestierte er zwar eine spielerisch bessere Leistung als der Ludwigsfelder Equipe, haderte aber mit der vor allem in Durchgang zwei verfahrenen Spielweise des BFC.
Für die erste Männermannschaft des LHC steht nun noch eine Partie auf dem Terminkalender: Bei der Kinder- und Jugend-Weihnachtsfeier des Vereins am 21. Dezember (Start: 18 Uhr 16 Uhr) in der Stadtsporthalle spielt das Ensemble noch gegen den Handball-Nachwuchs des Clubs.
Niklas Poppe/Lars Sittig
Quelle: Märkische Allgemeine, Zossener Rundschau, 19.12.2011

