Schwere Kost

Der Ludwigsfelder HC unterliegt zu Hause gegen Fortuna Neubrandenburg mit 29:31

Der LHC trudelt in der Oberliga Ostsee-Spree abwärts, einer Spielklasse, die im zweiten Jahr an Qualität gewonnen hat.

Der Mann an der Tankstelle kauft noch eine Kleinigkeit für den Weg. Dann verstaut er die Brieftasche in seinem Trainingsanzug und plötzlich landet das Gespräch bei der soeben abgepfiffenen Partie zwischen dem Ludwigsfelder HC und dem SV Fortuna Neubrandenburg. „Die Ludwigsfelder hätten Fortuna ärgern können“, sagte der Herr, der an seiner Sportmontur unschwer als Mitglied des Kampfgerichtes zu erkennen war, „aber dazu hätten sie ihre Torchancen konsequenter nutzen müssen, dafür hätten sie konzentrierter abschließen müssen“, sagte er. Dann setzte sich der Wagen mit den Unparteiischen Richtung Heimat in Bewegung.

So konnte man das schon sehen, am Sonnabend Abend gegen halb neun zwischen Zapfsäule, Snackabteilung, Schnäppchen und Waschanlage: Der Ludwigsfelder HC hätte den SV Fortuna Neubrandenburg bei der 29:31 (13:14)-Heimniederlage ärgern können – scheiterte aber in den entscheidenden Situationen auch an der fehlenden Effizienz. „Wir hätten einen Punkt verdient gehabt. In den entscheidenden Situationen haben wir den Ausgleich nicht gemacht und beispielsweise zwei Siebenmeter verworfen“, sagte LHC-Coach Gerhard Wartenberg, „trotzdem war es eine deutliche Steigerung, was die Willensleistung angeht. Die Abwehrleistung gerade in der ersten Hälfte war gut. Ich muss der Mannschaft ein Riesenkompliment für ihre kämpferische Einstellung machen.“

Fortuna-Trainer Helmut Wilk fand: „Nachdem wir zuletzt auswärts geschwächelt haben, war das eine gute Leistung. Der Sieg war knapp, aber verdient.“ Die Liga sei insgesamt sehr ausgeglichen, sagt der Fahrensmann des Handballs über die Oberliga Ostsee-Spree. Ein 2010 eingeführtes Konstrukt, das sich immer mehr zu einer Elite-Spielklasse zwischen Kap Arkona und Spreewald entwickelt – vor allem auch durch die starken Nord-Absteiger Peenetal-Loitz und Bad Doberan. Mehr Norden, weniger Etikettenschwindel ist auch einer der Gründe für das Abdriften des LHC: Nach dem exzellenten Start verlor der Club in den vergangenen Wochen alle drei Duelle gegen die Teams aus Meck-Pomm (HSV Peenetal Loitz - Ludwigsfelder HC 42:30/ Bad Doberaner SV - LHC 28:27), in Bad Doberan unterlag Ludwigsfelde allerdings nach einer extrem umstrittenen Schlussphase. Die drei Nordvereine – schwere Kost für den LHC – liegen derzeit auf den Rängen drei bis fünf.

Eine andere Ursache für die schwierigen Wochen des Clubs, der nach der Heimniederlage auf Platz acht (7:9 Punkte) rangiert, ist das enorme Verletzungshandicap. Auf die lange Ausfallliste am Sonnabend (unter anderem mit den Verletzten David Klein, Steffen Knaack, Martin Lorenz) rückten mit Frank Schücke und Alberto Chamber Montalvo auch zwei Akteure, die aus beruflichen oder familiären Gründen nicht das LHC-Trikot überstreifen konnten. „Die vielen Verletzten haben natürlich auch Auswirkung auf das Training“, sagte LHC-Keeper Sebastian Hoba, der seinen Teamkollegen aber ebenfalls bescheinigte, „gut gekämpft“ zu haben. Hoba musste die Partie wegen einer Verletzung ebenso wie Nico Wiede vorzeitig beenden. Die Szene, als Wiede kurz vor dem Abpfiff vom Parkett humpelte, hatte eine Menge Symbolcharakter.

Zu diesem Zeitpunkt steuerte die Fortuna dem Auswärtssieg bereits entgegen. Nach einer ausgeglichenen Startphase hatte sich der erstarkte Nordclub bis zur Pause leicht abgesetzt, lag aber in der 41. Minute schon mit vier Toren in Führung (21:17). Der LHC konnte zwar mehrfach verkürzen – den entscheidenden Punch aber nicht mehr landen. Wohl auch angesichts der langen Verletztenliste und der erstarkten Liga erinnerte Wartenberg noch einmal an das Saisonziel: „Wir wollen so schnell wie möglich den Klassenerhalt sichern“, sagte der Trainer.

Lars Sittig

Quelle: Märkische Allgemeine, Zossener Rundschau, 07.11.2011

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